WWDC 2013 Keynote – Stenogrammbericht

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Lang, lang ist es her – Oktober letzen Jahres um genau zu sein – dass die Apple-Verantwortlichen auf die Bühne getreten sind um neue Produkte der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Damals gab es eine Reihe von neuer Hardware zu bestaunen: Das iPad mini, die schlanken neuen iMacs und das Retina MacBook Pro mit 13″-Bildschirm. Die WWDC-Keynote ist aber angesichts des anwesenden Publikums von knapp 5000 iOS- und MacOS-Entwicklern mittlerweile traditionell eher Software-Neuvorstellungen gewidmet.

Mit eine kurzen Verzögerung, aber relativ pünktlich um 10.04 Uhr Ortszeit betritt Tim Cook die Bühne des randvollen Saals des Moscone Centers in San Francisco. Die Apple Online-Stores sind zu diesem Zeitpunk bereits offline, was auf neue Hardware hoffen lässt. Ganz untypisch beginnt die Keynote mit einem sehr minimalistisch gehaltenem Imagefilm. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung für die Entwickler welche Veranstaltungen diese Woche verfügbar sind, erwähnt Tim unter großem Applaus noch einmal, dass die circa 5000 Tickets für die diesjährige WWDC in unter 2 Minuten ausverkauft waren.

Nächstes Thema sind die Apple Retail Stores, ein kurzes Video zeigt den neuen Apple Store auf dem Kurfürstendamm in Berlin. Dann schwenkt das Thema zu den digitalen Stores, und Tim erwähnt die kürzlich geknackte Marke von 50 Milliarden Apps. Eine neue Zahl sticht dabei heraus: 575 Millionen iTunes-Accounts gibt es mittlerweile, die meisten davon mit hinterlegten Zahlungsdaten.

Dann übergibt Tim die Bühne an Boris Sofman, der von seiner Firma anki erzählt die mithilfe künstlicher Intelligenz vorführt wie computergesteuerte Prozesse unser Leben verbessern können anhand von einer AI-Carrerabahn. Tim kommt wieder auf der Bühne um die Jungs vor weiteren Peinlichkeiten wie nichtfahrende Autos zu bewahren, und dankt den anwesenden Entwicklern für ihre fantastischen Apps

Zu den Macs erzählt Tim, dass der Wachstumsrate die der PCs inzwischen weit übertroffen hat, und dass der Mac mithilfe von Bootcamp von zahlreichen Fachpublikationen sogar als bester PC gilt. Dann übergibt er die Bühne an Craig Federighi, der unter großen Lachern erstmal vom Problem erzählt einen weiteren Katzennamen zu finden. Und dann kommt die große Welle und das nächste MacOS heisst „MacOS X Mavericks„. Dies ist ein bekannter Surf-Ort an der kalifornischen Küste, und man kann nun erwarten dass sich die nächsten Namen von Norden nach Süden entlanghangeln.

Das erste neue Feature das Craig vorstellt sind Finder Tabs, die es ähnlich wie in Safari ermöglichen mehrere Ansichten in einem Fenster zu haben. Die Etiketten werden überarbeitet und heissen demnächst Tags, und diese kann man schon während dem abspeichern einer Datei definieren. Und endlich werden Nutzer mit mehreren Monitoren berücksichtigt, der zweite Monitor wird nicht mehr nutzlos wenn man den Fullscreen-Modus eines Programms aktiviert. Airplay macht auch mehr, nun kann man nicht nur den Bildschirminhalt spiegeln, sondern den Fernseher mit Apple TV als vollwertigen dritten Monitor nutzen.

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Unter der Haube kann MacOS X jetzt deutlich besser mit CPU-Zyklen haushalten was Akkulaufzeit spart, Safari ist ebenfalls deutlich optimiert – besonders die Nitro Javascript-Engine soll deutlich schneller sein, bis zu 3,8-mal so schnell wie Googles Chrome-Browser. Ähnlich wie die beliebte 1-Password App wird iCloud Keychain nun diverse Passwörter speichern. Die Kalender-App verliert Ihren skeuomorphischen Charme und präsentiert sich deutlich aufgeräumter. Karten und iBooks finden nun ebenfalls Ihren Weg auf den Mac. Mac OS X Mavericks wird ab heute als Developer Preview herunterladbar sein, und ab Herbst ist die finale Version für jeden verfügbar.

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Als nächstes betritt Phil Schiller die Bühne, und stellt die neuen MacBook Airs vor. Mit Intels Haswell-Architektur ist die Batterielaufzeit deutlich verbessert, die Grafikleistung um circa 40% schneller. Das neue MacBook Air 11″ hat eine Herstellerangabe von 9 Stunden Batterielaufzeit, das 13″ sogar 12 Stunden. Mit im Paket ist 802.11ac Wi-Fi, welches auch von den brandneuen Airports und TimeCapsules unterstützt wird. Die minimale Festplattenkapazität wird dankbarerweise zum gleichen Preis wie zuvor auf 128 GB erhöht, und alle Modelle sollen ab heute lieferbar sein.

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In einem unglaublichen Tempo geht es weiter: Phil stellt die neuen Mac Pros vor. Die neue Generation stellt sich in einem an Kubricks 2001-erinnernden Video mit einem radikal neuem Hardwaredesign vor. Böse Zungen würden es das schwarze Zäpfchen nennen, mit ein wenig Wohlgemut erinnert es an ein futuristisches Raumschiff. Zur großen Überraschung aller läuft dieser mit AMD-GPUs, die mit 7 Teraflops Durchsatz die nächste Displaygeneration mit 4K-Auflösung befeuern sollen. Sechs Thunderbolt 2 (!) und vier USB 3 Schnittstellen finden Ihren Platz in einem Gehäuse das gerade einmal ein Achtel des Volumens des bisherigen einnimmt. Bei den Prozessoren bleibt es bei Intels Xeon-Architektur. Wie vor Monaten gemunkelt, wird der neue Mac Pro als erster Mac seit langer Zeit komplett in den USA gebaut, er ist ab diesem Herbst verfügbar.

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Das Publikum hatte kaum Zeit sich zur erholen, da springt Tim wieder auf die Bühne und erzählt was für ein Erfolg iCloud sein soll. Roger Rosner übernimmt, und stellt „iWork for iCloud“ vor eine Art Google Docs, bei dem Keynote, Pages und Numbers direkt im Browser laufen. Übrigens nicht nur in Safari sondern auch im Internet Explorer, Chrome und wahrscheinlich auch Firefox.

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Tim ist wieder auf der Bühne, und das nächste Thema ist iOS. Nach ein bisschen Angeberei wieviele Leute inzwischen iOS nutzen, und vor allem wie hoch die Adoptionsrate auf die aktuelle Version in Gegensatz zu Android ist, kommt Tim dazu iOS 7 anzukündigen. Es beginnt mit einem Video, in dem Jony Ive (neuerdings Chefdesigner auch für Software) erklärt, dass Design mehr ist als nur dass wonach es aussieht. Es wird schwer alles in Wörter zu fassen, deswegen sei nur gesagt, es ist die radikalste Änderung in den 6 Jahren die es die Plattform gibt, und wir lassen an dieser Stelle Screenshots sprechen.

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Die Entwickler sind derart aus dem Häuschen, dass es Standing Ovations nach dem kurzen Intro-Video gibt. Craig ist wieder auf der Bühne und gibt eine Demo über das neue Interface und die Funktionen. Es gibt Hintergrundbilder die mit Parallaxem Scrolling animiert sind, Icons und Apps sind nun deutlich cleaner oder um ein Buzzword zu benutzen: „Flat Design“. Ein neues Control Center gibt endlich schnellen Zugriff um die Bildschirmhelligkeit, Bluetooth, WiFi oder ähnliche Optionen zu manipulieren.

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Multitasking ist nun für alle Apps verfügbar, Updates für häufig verwendete Apps installieren sich nun automatisch. Notification Center ist nun vom Lockscreen aus erreichbar, Tabs in Safari sind deutlich überarbeitet und AirDrop (bekannt aus Mountain Lion) erhält Einzug in iOS. Die Erfahrung wird zeigen, ob alle diese Änderungen sinnvoll sind, der erste Eindruck von Screenshots und Bühnendemos ist jedoch sehr vielversprechend. Vor allem die Funktion, das Multitasking nun einen Screen der auszuwählenden App anstatt nur deren Icon anzeigt ist eine deutlich Verbesserung.

Eine weitere Neuerung ist „iOS in the car“ das eine reduzierte Oberfläche mit Vorschlägen für Siri-Funktionen anzeigt. Es gibt Direktbuttons zum Telefon, zu Maps, zu iTunes und zu iMessage. Das ganze läuft verbindet sich zu bestehenden Autobildschirmen namhafter Hersteller.

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Dann kommt iRadio, welches in Konkurrenz zu Diensten wie Spotify oder Pandora steht. Es ist in die Musik-App eingebaut, und bietet Vorschläge zu bestehenden Songs oder Playlists, und selbstverständlich wird man mit einem Klick dazu eingeladen Songs über den iTunes-Store zu kaufen. iRadio wird kostenlos aber mit Werbung versehen sein, die verschwindet sobald man iTunes Match abonniert.

Es gibt noch einige iOS7-Features für die sie keine Zeit mehr hatten diese in der Keynote unterzubringen, ein paar die mich vom Preview-Screen anspringen; „View PDF annotations“ was es erlaubt Kommentare in PDF-Dateien anzuzeigen, Notification Sync welches wohl Dienste zwischen MacOS und iOS synchronisiert, FaceTime Audio welches in Skype-Konkurrenz tritt.

iOS7 wird diesen Herbst verfügbar sein, und benötigt mindestens ein iPhone 4, iPad 2, iPad mini oder die 5. Generation des iPod touch.