Im Test: MacBook Pro mit Retina-Display

von Fabian Hüttenhoff Kategorie(n): Mac

 Apple MacBook Pro mit Retina-Display im Test

Die letzten drei Wochen vergingen nicht gerade wie im Flug, was daran gelegen haben mag, dass ich sehnsüchtig darauf gewartet habe mein 4 Jahre altes MacBook Pro zu ersetzen. Auf der WWDC Keynote präsentierte Phil Schiller das MacBook Pro mit Retina Display. Ich habe mich nach sorgfältiger Überlegung (5-10 Sekunden) für den Kauf entschieden. Die im Apple Store angezeigte Lieferzeit von drei bis vier Werktagen war angesichts des Andrangs auf das neue Gerät zu optimistisch. Von einem Händler haben wir gehört, dass bei Ihm allein täglich hunderte Vorbestellungen eingingen.

Apple MacBook Pro mit Retina-Display im Test

Die letzten drei Wochen vergingen nicht gerade wie im Flug, was daran gelegen haben mag, dass ich sehnsüchtig darauf gewartet habe mein 4 Jahre altes MacBook Pro zu ersetzen. Auf der WWDC Keynote präsentierte Phil Schiller das MacBook Pro mit Retina Display. Ich habe mich nach sorgfältiger Überlegung (5-10 Sekunden) für den Kauf entschieden. Die im Apple Store angezeigte Lieferzeit von drei bis vier Werktagen war angesichts des Andrangs auf das neue Gerät zu optimistisch. Von einem Händler haben wir gehört, dass bei Ihm allein täglich hunderte Vorbestellungen eingingen.

Eine beachtliche Nachfrage für einen Computer mit einem Einstiegspreis von fast 2.300 Euro, aber nicht nur deswegen sollte man sich vor dem Kauf genau überlegen, was man an Speicherplatz und Rechenleistung benötigt.
Dem schlankeren Formfaktor sind alle internen Austausch- und Erweiterungsmöglichkeiten zum Opfer gefallen: Der Arbeitsspeicher ist direkt auf die Platine gelötet, und der aus dem MacBook Air bekannte Flash-Speicher ist ein proprietärer Stick, den auch nur Apple selber austauschen kann. Die Batterie ist sogar im Gehäuse verklebt, was die Redakteure der Seite iFixit.com dazu veranlasste die schlechtmöglichste Wertung für die Selbstwartung auszusprechen. Wenn irgendwas an dem Laptop kaputt geht, werden schnell hohe Reparaturkosten fällig, was eine Zusatzinvestition für Apple Care streng genommen obligatorisch macht.

Wer auf spätere Aufrüstmöglichkeiten, ein optisches Laufwerk, Firewire- und Ethernet-Schnittstellen, nicht verzichten möchte, kann sich nach wie vor für das "reguläre" MacBook Pro entscheiden. Doch die Marschrute ist klar: Genauso wie das Air nach und nach das normale MacBook ersetzt hat, wird es in nicht all zu ferner Zukunft nur noch das schlanke, neue Gehäuse geben. Ärgerlich ist dabei, dass jeder dem 256 GB Festplattenspeicher zu wenig sind zwangsweise zum "großen" MBP Retina greifen muss, was den Preis auf mindestens 2.899 Euro anhebt.

Apple MacBook Pro Retina Display

Von außen macht das MacBook Pro Retina von Anfang an eine gute Figur, es ist im Vergleich zum Air überraschend schwer, aber im Gegensatz zum "alten" Pro deutlich leichter. Zusammengeklappt ist es in etwa so hoch wie das bisherige Gehäuse ohne den Display-Deckel, und wenn man ein stinknormales Netzwerkkabel mit RJ-45-Stecker daneben hält, leuchtet einem ein warum die Schnittstelle weggefallen ist: Das MacBook Pro ist schlichtweg zu dünn, um den Port zu beherbergen. Schmerzvoller ist da der Verlust der Firewire-Schnittstelle. Sämtliche externen Festplatten, die ich über die Jahre gesammelt habe, verwenden den Port. Apple verspricht auf seiner Webseite, das ein Thunderbolt auf Firewire-Adapter "ab Juli" verfügbar sein soll. Bis dahin ist der in das Thunderbolt-Display integrierte Anschluss die einzige Möglichkeit Firewire zu nutzen.

Als Trost hat Apple zwei Thunderbolt-, zwei USB 3.0 und – erstmals in einem mobilen Mac – eine HDMI-Schnittstelle eingebaut. Besonders erfreulich: Da das optische Laufwerk fehlt, hat das MacBook Pro erstmals seitdem Apple sich 2008 von dem Aluminium-Gehäusedesign verabschiedet hat USB-Ports auf beiden Seiten. Dank HDMI und den beiden Thunderbolt-Ports ist es möglich drei externe Displays zu betreiben. Wenn man von zwei Thunderbolt-Displays und einem FullHD-TV plus dem Retina-Bildschirm ausgeht, zeichnet die Grafikkarte 14,6 Millionen Pixel gleichzeitig.

Die Leistung dafür ist auf jeden Fall vorhanden, im Gegensatz zum Air welches auf eine diskrete Grafikkarte verzichten muss, werkelt im Retina MacBook Pro Nvidias neue Kepler-Architektur (mit irgendeinem klangvollen Namen wie "650M GT". Ich habe vor langer Zeit aufgehört mir die Namen von Grafikkarten zu merken). Zusammen mit Intels IvyBridge-Architektur und einem Vierkern Core i7-Prozessor und eine komplett auf Flash-Speicher basierende Resourcenverwaltung sorgt das für ein beeindruckendes Geschwindigkeitsgefühl. Das amerikanische Magazin Macworld nennt es den "schnellsten Mac, den wir bisher getestet haben".

Das Retina-Display benötigt allerdings auch entsprechend Dampf, um die gewaltige Auflösung von 2880×1800 Pixeln zu füllen. Während das reguläre MacBook Pro in der kleineren Konfiguration mit 512 MB Grafikspeicher auskommt, hat das Retina MacBook Pro standardmäßig 1 GB. Dennoch kann zum Beispiel das Scrollen auf komplexen Webseiten nicht so butterweich sein, wie man das von der Eckdaten der Hardware erwarten würde. In der Developer Preview von Mountain Lion (das Update wird für alle Retina MacBooks kostenlos sein) läuft derselbe Prozess deutlich flüssiger. Der Grund dafür ist die bessere Implementierung der Core Animation-Technologie, welche die Grafikkarte mehr beansprucht um die CPU zu entlasten.

MacBook Pro Retina Text-Vergleich

Kernstück des neuen Laptops und namensgebendes Ausstattungsmerkmal ist das Retina-Display. Apple hat im Vergleich zum normalen MacBook Pro 15 Zoll ohne die "High Resolution"-BTO-Option die Auflösung schlichtweg vervierfacht. Die technische Implementierung und der optische Effekt ist der Gleiche wie beim iPhone und iPad: Bilder und Texte erscheinen gestochen scharf, einzelne Pixel lassen sich nicht mehr ausmachen, außer die verwendete Anwendung ist noch nicht für das Retina-Display optimiert. Auch wenn die tatsächliche Auflösung mit 220 Pixeln pro Inch geringer ist als beim iPad (264 PPI) und iPhone (326 PPI) sieht vor allem Text tatsächlich noch besser aus als auf den mobilen Geräten. Der Grund d
afür ist das Sub-Pixel-AntiAliasing, welches sich Aufgrund der Bildschirm-Rotation unter iOS technisch nicht implementieren lässt.

Persönlich begeistert bin ich aber über den Wechsel weg von TN- hin zu IPS-Technologie. Es ist Apples erstes Notebook, dass von der deutlich besseren Farbwiedergabe und höheren Betrachungswinkeln dieser Bildschirme profitiert. Wer sein MacBook schon mal im Zug oder Flugzeug angesichts des geringen Platzangebotes in einem unnatürlichen Winkel betrachtet hat, wird den Unterschied sofort merken. Apple bietet im Gegensatz zum normalen MacBook Pro kein mattes Display an, aber die Spiegelungen auf dem Bildschirm sind dank des Wegfalls der Glasscheibe trotzdem deutlich reduziert.

Die Kombination aus reduzierter Spiegelung, besserer Farbwiedergabe, höheren Betrachtungswinkeln und vierfacher Auflösung macht das Retina-Display zu einem fantastischem Arbeitsgerät. Es ist ohne Zweifel das beste Display, dass Apple bis dato in einem Mac verbaut hat. Und auch das Beste was bis jetzt in einem Notebook verbaut wurde. All diejenigen für die das MacBook Pro nicht in Frage kommt, können sich schon auf die Retina-Displays im MacBook Air, im iMac und auf ein Thunderbolt-Retina-Display freuen.

MacBook Pro Retina Innenansicht

Über 5 Millionen Pixel benötigen zum Leuchten auch mehr Strom. Ein Blick ins Gehäuseinnere verrät, dass der Platzgewinn durch das fehlende optische Laufwerk komplett in Akkus reinvestiert wurde. Das Retina MacBook Pro hat eine um 25% größere Batterie als das reguläre 15 Zoll MacBook Pro (95 zu 77 Wattstunden), nur um die gleiche Akkulaufzeit zu halten. In der Praxis bedeutet das je nach Arbeitslast zwischen 5 und 7 Stunden, was für ein Laptop mit diesen Leistungsdaten beeindruckend ist.

Szenenapplaus gab es bei der Präsentation auf der WWDC auch für das neue Belüftungssystem: Asymetrisch angeordnete Ventilationsflügel verteilen das Lüftergeräusch auf ein breiteres Frequenzband als symmetrische. In der Praxis ist das kein Aha-Effekt, aber ein Unterschied den man bemerkt. Was Apple nicht so explizit erwähnte, sich aber im Praxistest bei den Kollegen von Anandtech herausstellte: Die gesamte Wärmezirkulation ist gegenüber dem regulären MacBook Pro deutlich verbessert. So wird unter Volllast das MacBook Pro Retina an der Oberseite zwar leicht wärmer, an der Unterseite bleibt es dafür aber ganze 8°C kühler – und somit deutlich angenehmer auf dem Schoß zu betreiben. Das reguläre MacBook Pro wird unter längerer Volllast sogar so heiß, dass nach einiger Zeit der Prozessor heruntergetaktet wird – Anandtech konnte bis zu 20% Leistungsverlust schon nach 20 Minuten beobachten. Das Retina MacBook Pro dagegen büßt maximal 5% seiner Performance ein.

Apple MacBook Air Pro und Retina im Vergleich

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Retina MacBook Pro das momentan beste Laptop ist, das man kaufen kann. Die Kombination aus extrem hoher Performance und langer Batterielaufzeit in einem kompakten Gehäuse hat aber seinen Preis: Für Ethernet und Firewire war kein Platz, interne Erweiterungsmöglichkeiten gibt es nicht und die Gefahr von kostspieligen Reparaturen macht die Zusatzinvestition in Apple Care quasi obligatorisch. Innerhalb der MacBook Pro-Familie ist das Neue aber trotzdem soweit überlegen, dass die Wahl zwischen den Modellen eigentlich keine ist: 20 zu 1, das ist in etwa die Rate in der sich das Retina-Modell im Vergleich zum regulären MacBook Pro verkauft.