Eventbericht: Sie haben, was wir sehen und anfassen wollen

von Fabian Hüttenhoff Kategorie(n): Event

Apple New iPad with Hands

Pünktlich um 10.00 Uhr Ortszeit kam Tim Cook, mittlerweile ein halbes Jahr CEO, auf die Bühne des Yerba Buena Centers in San Francisco, welches nicht mal eine Autostunde von Apples Hauptquartier entfernt liegt. Ein großartiger Morgen sei geplant, und er sei sehr aufgeregt.

Apple New iPad with Hands

Pünktlich um 10.00 Uhr Ortszeit kam Tim Cook, mittlerweile ein halbes Jahr CEO, auf die Bühne des Yerba Buena Centers in San Francisco, welches nicht mal eine Autostunde von Apples Hauptquartier entfernt liegt. Ein großartiger Morgen sei geplant, und er sei sehr aufgeregt.

Es folgte der inzwischen übliche Überblick über aktuelle Zahlen und Fakten zu Apples Diensten und Produkten: Allein letztes Jahr habe man 172 Million "Post-PC"-Geräte verkauft, 76 Prozent von Apples Umsatz stammt aus den Sparten iPod, iPhone und iPad. 362 Apple-Stores gibt es mittlerweile weltweit, und man sei stolz darauf.

315 Million iOS-Geräte sind mittlerweile da draussen, allein 62 Millionen sind im letzten Quartal dazugekommen. Ein Grund dafür sei Siri, dass bei den Konsumenten anscheinend sehr gut ankommt – und ab heute auch Japanisch spricht, eine der Verbesserung von iOS 5.1 (ebenfalls ab heute als Download verfügbar). Siri spricht zwar noch kein Mandarin, aber lange kann es nicht mehr dauern, bis sich der glückliche chinesische Gewinner, der App Nummer 25 Milliarden geladen hat, sich in seiner Muttersprache mit seinem iPhone unterhalten kann.

Dann war es genug des Number-Crunchings, und Cook zauberte Eddy Cue aus dem Ärmel, der wiederum ein neues Apple TV aus dem Ärmel zauberte. Wie bereits zuvor gemunkelt, unterstützt das Gerät nun 1080p-Wiedergabe und passend dazu können Filme nun auch über iCloud synchronisiert werden. Das Interface ist stärker an iOS angenähert, der Preis bleibt derselbe.

Apple TV 2012

Nun war Tim Cook wieder dran, der es sich nicht nehmen lies den Fokus auf das iPad zu rücken: 15,4 Millionen verkaufte iPads im letzten Quartal bedeutete, dass Apple mehr iPads abgesetzt hat als Hewlett Packard (als Marktführer!) PCs. Und wer könne ein noch besseres Produkt als das iPad 2 vorstellen, ausser Apple in Gestalt von Phil Schiller?

Aber Phil war nicht der Star des Abends, sondern das "neue" iPad dass er nun vorstellte: Erstes neues Feature: Ein 264 ppi Retina-Display (2048 x 1536 Pixel), und damit hat Apple wie zuvor beim iPhone die Auflösung vervierfacht, gleichzeitig hat es eine um circa 40% bessere Farbsättigungswiedergabe. Um so viele Pixel zu zeichnen, ist es mit einem Quad-Core A5X-Prozessor bestückt.

New iPad in Black and White

Die Kritik an der im iPad 2 eingebauten Kamera hat sich Apple zu Herzen genommen, die neue Rückkamera im "neuen" iPad hat eine füntteilige Linse (wie im iPhone 4S) und macht 5 Megapixel-Bilder. Auch 1080p Video-Aufzeichnungen sind nun möglich. Siri wiederum hat nicht komplett den Sprung aufs iPad geschafft, nur die Diktat-Funktion für die Texteingabe ist auf dem "neuen" iPad verfügbar.

Dafür hat sich das Gerücht bestätigt, dass das neue iPad über ein 4G LTE-Mobilnetzwerk verfügt. Bis zu 73 MB pro Sekunde kann der Mobilfunkstandard theoretisch übertragen. In den USA sind wie erwartet AT&T und Verizon Apples bevorzugte Partner, in Deutschland steht noch eine Ankündigung der üblichen Verdächtigen aus. Übrigens kann das iPad nun auch einen Personal Hotspot einrichten, wie schon das iPhone seit dem Update auf iOS 5.

Trotz des besseren Displays, des schnelleren Prozessors und des deutlich schnelleren Netzwerkes behauptet Apple, dass der Akku des "neuen" iPad genau so lange durchhält wie der des iPad 2. Der Akku scheint dabei leicht größer geworden zu sein, denn das neue iPad wiegt ein paar Gramm mehr als das Alte. Ebenfalls beim Gewohnten geblieben ist man bei dem Anschluss, die Spekulationen um einen Ersatz oder verkleinerten Dock-Connector haben sich nicht bewahrheitet.

Von den Speicher- und Konfigurationsmöglichkeiten ist alles beim Alten geblieben: Es gibt sowohl in Schwarz und Weiss die Varianten 16, 32 und 64 Gigabyte mit WiFi only oder mit zusäztzlichem 4G LTE zur Auswahl – und alles auch zu den gewohnten Preisen. Bestellt werden darf schon jetzt, geliefert wird Ende nächster Woche: Am 16. März ist das "neue" iPad in allen Kernmärkten verfügbar.

Nach einigen Drittanbieter App-Demos, die die Fähigkeiten des "neuen" iPad herausarbeiteten, ging es an die die Apple-eigenen Apps, die allesamt für das neue Gerät optimiert sind. Garageband verfügt nun neben neuen intelligenten Instrumenten über "Jam Session", mit dem bis zu 4 iOS-Geräte gleichzeitig musizieren können. Auch iMovie bekommt ein Update, und hat nun bessere Planungs- und Exportmöglichkeiten.

iPhoto for the new iPad

Neu ist in der iLife/iWork-Suite nun iPhoto für das iPad, welches John Gruber von Daring Fireball bereits letzte Woche in seiner Glaskugel erblickt hatte. iPhoto unterstützt mit Multitouch-Gesten deutlich mehr Funktionen als die bisherige Bildergalerie, es kann mit Filtern und Pinseln sogar Bilder mit zweistelligen Megapixel-Nummern editieren, und so wie es aussieht auch in einer sehr hohen Geschwindigkeit. Neu sind auch erweiterte Export-Möglichkeiten z.B. zu iCloud oder Flickr. In Apples Produktdemo sieht das alles sehr vielversprechend aus, und wir sind gespannt wie sich das in einem Hands-On anfühlt. Wahrscheinlich können wir das neue iPhoto schon vor dem "neuen" iPad ausprobieren, denn es ist ebenfalls ab heute verfügbar, und eine Universal-App für iPhone und iPad.

Eine wirklich Produktpolitische Neuerung ist dem aufmerksamen Leser vielleicht schon aufgefallen – bislang war immer nur vom "neuen" iPad die Rede, und das scheint auch Apples offizielle Bezeichnung zu sein: "The new iPad" war nicht nur Nomenklatur in der Präsentation, sondern auch auf Apples Website. Damit entzieht sich Apple der üblichen Klassifizierung und bringt die Bennennung auf Linie mit den iPod- und Mac-Produkten. Mich würde es nicht wundern – im Gegenteil – wenn wir im Sommer/Herbst n
icht das iPhone 5 sondern das "neue iPhone" präsentiert bekommen.

Neuer Namensgebung zum Trotz, bleibt das iPad 2 weiterhin im Verkauf, allerdings nur in der 16 GB WiFi-Variante für 399 US-Dollar (hierzulande wahrscheinlich €399). Tim Cook nutzte seine letzten offiziellen Worte heute, um noch mal allen Apple-Angestellten die daran gearbeitet haben zu danken. "Nur Apple sei in der Lage, diese Innovationen auf solch schöne, integrale Weise zu erdenken. Und das ist was wir lieben zu tun, und wofür wir stehen." Im Laufe des Jahres sei mit noch mehr zu rechnen: "We’re just getting started" sagte Cook, bedankt sich und lässt uns mit Dingen zurück, die wir anfassen und sehen wollen.

Die Aufzeichnung der Keynote ist mittlerweile online und hier abrufbar.